Dachstuhl brannte völlig nieder

Feuer auf dem Grasberger Findorffhof / Schaden zirka eine Million Mark

Grasberg. Ein Raub der Flammen wurde am Sonnabend abend der Grasberger Findorffhof. Der Reetgedeckte Dachstuhl des Haupthauses der Museumsanlage brannte völlig nieder, der Schaden wird auf eine knappe Million Mark geschätzt. Zwar steht, so die Kripo Osterholz, die Ursache des Feuers noch nicht fest, doch sei Brandstiftung nicht auszu­schließen. Die Ermittlungen werden heute fortgesetzt und vermutlich nicht vor Ende der Woche abgeschlossen sein. Es war 21.09 Uhr, als bei der Einsatzleit­stelle in Pennigbüttel die Feuermeldung einging. Die Ortswehren aus Grasberg, Dannenberg, Huxfeld und Rautendorf rück­ten mit insgesamt acht Fahrzeugen und 65 Leuten aus, konnten aber den Dachstuhl nicht mehr retten. Die Nebengebäude seien, bis auf die angrenzende Scheune, nicht bedroht gewesen, erklärte Grasbergs Ge­meindebrandmeister Helmut Böschen. Diese habe aber gesichert werden können, al­lerdings nur unter Zuhilfenahme schwerer Atemschutzgeräte. „Vor zwei, drei Wochen hätte das schlimmer ausgehen können”, meint Böschen. Doch durch die Regenfälle der vergangenen Tage sei die Gefahr für die anderen Gebäude des Hofes eben nicht so groß gewesen. Probleme bereitete den Blauröcken der böige Wind, der das Feuer immer wieder entfachte. Erst um 3.40 Uhr ging die Feuer­aus Meldung in Pennigbüttel ein, wobei die Flammen schon deutlich eher erstickt wa­ren. Bereits gegen 0.30 Uhr seien die Nach­barwehren wieder abgezogen, berichtete Böschen. Bis um 8 Uhr gestern morgen stell­ten die Grasberger Blauröcke dann noch die Brandwache. Zwar bot sich den zahlreichen Schaulustigen am Sonntag ein recht un­schönes Bild, doch hätte es sicherlich auch schlimmer kommen können. Das Fachwerk des historischen, unter Denkmalschutz stehenden Gemäuers ist nämlich - so der erste Eindruck - nicht so sehr in Mitleidenschaft gezogen worden, und so rechnet der Vorsitzende des Fin­dorff-Heimatvereins, Adolf Nordenholz, damit, daß es beim Wiederaufbau zum größten Teil auch wieder als Ständerwerk genutzt werden kann. Das letzte Wort über die Zu­kunft des Gebäudes spricht aber die Ge­meinde, denn schließlich ist sie die Eigentü­merin dieser weit über die Grenzen Gras­bergs hinaus bekannten Hofanlage. Der Findorffhof diente bisher nicht zuletzt auch als kulturelles Forum für den Ort und die gesamte Region. Der Brandschaden, davon geht Nordenholz aus, wird von der Versicherung ge­deckt, doch eigentlich sei der Verlust „un­ersetzlich und unbezahlbar”. Dies gelte ins-besondere für das, was im Gebäudeinneren vernichtet wurde. Dort gab es zahlreiche hi­storische Dokumente und Fotos, viele wertvolle alte Möbel und Gerätschaften, bei­spielsweise Spinnräder oder die fünf Web­stühle, die im ausgebauten Teil des Dach­stuhls untergebracht waren. Viele Dinge seien Dauerleihgaben von Privatleuten ge­wesen, so Nordenholz. Unbezahlbar sind auch die unzähligen Arbeitsstunden, die engagierte Menschen in das aus zwei restaurierungsbedürftigen Bauernhäusern zusammengesetzte Gebäude investiert haben. Auch der Teilausbau des Dachgeschosses war ausschließlich in Eigenarbeit realisiert worden.. "Was haben wir da für Arbeit reingesteckt", sinniert ein trauriger Vereinsvorsitzender. Aber die Grasberger, die mit der Hofan­lage das Erbe Jürgen Christian Findorffs bewahren wollen, lassen die Köpfe nicht hängen. Das wurde schon am Sonntag vormittag deutlich. Mit vereinten Kräften hol­ten sie alles, was noch irgendwie zu benut­zen ist, aus der Ruine heraus. Alte Fotogra­fien wurden sofort aus ihren Rahmen ent­fernt und zum Trocknen ausgelegt, nicht gänzlich verkokeltes Mobiliar kam in die angrenzende Scheune und wird vermutlich wieder aufgearbeitet werden.